Rattus
Ratten

Den echten Ratten (Gattung RATTUS) gehören nach heutiger Auffassung ca. 55 Arten an. Die meisten davon sind noch relativ unbekannt, da sie fernab vom Menschen leben. Viele Arten sind in Körperbau, Nahrung und Verhalten wenig spezialisiert. Das Meiste ist natürlich über diejenigen Arten bekannt, die sich eng dem Menschen anschlossen und ihn seit Jahrhunderten begleiten.
Die Hausratte (Rattus Rattus) wird auch als "Schwarze Ratte", "Schiffsratte" oder "Dachratte" bezeichnet. In Europa gibt es drei Fell-Farbtypen: schwarz bis dunkelschiefergrau, wildfarben mit grauer Unterseite und wildfarben mit weißer Unterseite. In Mitteleuropa meist schwarze, im Mittelmeerraum mehr wildfarbene.
In frühgeschichtlicher Zeit wurden Hausratten aus Südostasien (Indien) oder über Umwege aus Nordafrika nach Europa eingeschleppt. Heute ist sie fast weltweit verbreitet. Die ältesten Nachweise stammen aus dem 2. Jh. v. Chr. von Pompeji und der Insel Menorca.
In Mitteleuropa (Ladenburg am Neckar) wurde sie erst 400 Jahre später bekannt, mit den ersten europäischen Seefahrern in Amerika seit 1540 nachweisbar. Früher war sie DIE Schiffsratte (90% aller auf Schiffen gefundenen Ratten waren Hausratten), heute wird die Rolle mehr von der Wanderratte übernommen.
In Nord-, West- und Mitteleuropa bestehen nur noch kleine Verbreitungsinseln, im Mittelmeergebiet zusammenhängendes Verbreitungsareal. Sie sind nur noch selten in größeren Seehafenstädten anzutreffen. In Deutschland gilt sie seit den 60er Jahren als ausgestorben.
Die Farbratte, auch Großmaus genannt (wissenschaftlich: Rattus norvegicus domesticus oder korrekt Rattus norvegicus forma domestica), stammt von der wilden Wanderratte ab und ist durch Züchtung den Ansprüchen und Bedürfnissen des Menschen angepasst worden.
Etwa gegen Anfang des 20. Jahrhunderts begann die Domestikation (Haustierwerdung) der Wanderratte. Fahrende Zirkusleute und Schausteller entdeckten Albinos von Wanderratten für sich und stellten sie aus. Dabei entdeckten sie schnell, dass diese Tiere und ihre Nachkommen immer zahmer und friedlicher als ihre wilden Vorfahren waren. Später wurden die Tiere auch für Labore und Versuchstierinstitute gezüchtet, was den Tieren auch den zusätzlichen Namen Laborratte einbrachte.
Im Vergleich zur Wanderratte haben Farbratten einen im Durchschnitt etwas kleineren Körper. Auch einige Organe wie etwa Herz, Nieren, Nebennieren und Schilddrüse sind etwas verkleinert.
Die Farbratte wurde ab den 1980er Jahren oft als „Punkerschmuck“ gehalten und ist mittlerweile als Haustier fest etabliert.
Die Tiere werden nur max. 2,5 bis 3 Jahre alt. Zudem erkranken ältere Ratten sehr oft an Mykoplasmose (Erkrankung der oberen Atemwege), Tumoren und Abszessen, wobei sie tierärztlicher Behandlung bedürfen.
Ratten gelten im Allgemeinen als Allesfresser. Dies ist zwar richtig jedoch sollte man doch darauf achten, dass es nicht zu einer einseitigen Ernährung kommt. Neben dem immer sauberen und frischen Wasser sollte auch wie bei den Kaninchen oder Meerschweinchen immer Heu vorhanden sein. Dazu kann man entweder ein Fertigfutter vom Fachhandel füttern oder selber ein Futter aus Hamsterfutter + Chinchillafutter und Müsli mischen. Mit Obst und Gemüse kann man den Speiseplan bereichern. Die meisten Raten mögen Ananas (reif), Äpfel, Aprikosen, Bananen, Birnen, Kirschen, Kürbis, Mango, Melonen, Nektarinen, Pfirsiche, Pflaumen, Weintrauben, Chicoree, Eisbergsalat, Endiviensalat, Möhren, Mais und Paprika, rote Beete, Salatgurken, Spargel und Tomaten. Als besondere Leckerbissen können hin und wieder auch Joghurt, Babygläschen, gekochte Nudeln oder gekochter Reis gegeben werden.
Ratten sind Rudeltiere. In freier Wildbahn leben sie in Kolonien mit bis über 100 Tieren zusammen. Es ist daher Tierquälerei, seine Farbratten allein zu halten. Auch durch intensivste Bemühungen kann man ihnen keinen Partner ersetzen.
Trotz der ziemlich großem Auswahl im Tierfachgeschäften, sind die dort zu kaufenden Rattenkäfige oft nicht sehr artgerecht. Besser geeignet sind dafür Chinchilla- oder Streifenhörnchenkäfige, da sie einfach größer und geräumiger sind. Ratten sind sehr gute Kletterer und daher sollten am besten mehrere Ebenen im Käfig vorhanden sein. Diese sollten mit Holzleitern oder Sanitärröhren oder kleinen Rampen verbunden sein. Der Abstand zwischen den Ebenen sollte groß genug sein, das eine ausgewachsene Ratte sich vollständig aufrichten kann. Sehr wichtig ist es auch das der Gitterabstand nicht größer als 1 cm bis 1,5 cm beträgt, da sonst gerade jüngere Tiere leicht durchschlüpfen können. Die richtige Ausstattung gehört natürlich genau wie bei allen anderen Kleintieren zu einem der wichtigsten Punkte damit sich die Tiere wohl fühlen können. Der Schlafplatz sollte zum Beispiel immer einer der höchsten Punkte sein. Dieser kann ein Holzhäuschen, ein Weidenkörbchen oder eine gut befestigte, Hängematte sein. Der Boden kann entweder mit einer Hanfeinstreu (Fasern) oder Holzpellets ausgelegt werden. Um das Saubermachen zu erleichtern kann man in eine festgelegte Ecke auch eine Katzentoilette mit nicht klumpenden Katzenstreu oder Vogelsand stellen. Vielleicht für den Anfang ein paar Köttel reinlegen, dann nehmen die Ratten meistens das Angebot gerne an. Da die Ratten gerne weich schlafen sollte man ihnen entweder Toiletten- oder Küchenrollenpapier, Stoffstücke, Zeitungen, Karton oder Sisalband anbieten.
Viele neu Rattenhalter meinen es gut und geben den Ratten Laufräder oder Hamsterlaufkugeln in den Käfig. Dies sollte unterlassen werden, da sich die Ratten beim Benutzen sehr leicht verletzen können. Auch langfristige Schäden an der Wirbelsäule können vorkommen, da die Ratte beim laufen in diesen Geräten eine unnatürliche Haltung einnehmen. Dies kann im schlimmsten Fall zu einem Bandscheibenvorfall führen. Auch die Röhrensysteme, die es im Handel für Hamster gibt sind aufgrund des zu geringen Durchmessers nicht für Ratten geeignet. Auch Hamsterwatte als Schlafpolster ist nicht zu empfehlen, da sie sich leicht um die Pfoten wickeln und diese auch abschnüren kann. Wenn sie gefressen wird, kann es zu Verdauungsstörungen führen. Wie bei den anderen Nagetieren ist es zu empfehlen ungespritzte Äste von Obstbäumen anzubieten, damit die Ratten sich die rasch nachwachsenden Zähne abreiben können.
